Warum?
Stell dir vor…
du spürst die Sonnenstrahlen auf deiner Haut, es weht ein leichter Wind und du stehst am Anfang eines Trails. Den Gipfel kannst du nur von weit entfernt sehen und dort willst du hin. Dabei spielt es keine Rolle, wie schnell du bist oder wie schnell du im Vergleich zu anderen rennst. Es geht um den WEG zum Gipfel.
Das ist, was ich liebe! In diesen Momenten fühle ich mich lebendig. Ich liebe es, in der Natur zu sein, die frische Bergluft ein- und auszuatmen und unterwegs Vögel, Rehe, Kühe und Murmeltiere zu hören und zu sehen.
Es geht um das Abenteuer, um den Moment und genau darin liegt meine Motivation. Erst später kamen die Wettkämpfe, welche eine eigene Dynamik einbringen.
Wir waren drei Wochen im Höhentrainingslager im Engadin. Dieses war so getimed, dass ich für den nächsten Wettkampf - den Inferno - in Topform bin. Der Inferno Triathlon ist ein prestigeträchtiger Abenteuer-Triathlon im Berner Oberland. Die Strecke ist einschüchternd, aber gleichzeitig auch aufregend und inspirierend.
Es hat Komponenten, welche für mich absolut neu sind. Kleine Fortschritte in einem Format zu erzielen, das ich sehr gut kenne, reizt mich sehr. Es macht mir aber auch Freude, eine neue Challenge anzunehmen, im Wissen, vieles nicht zu wissen und zu lernen.
Im Engadin angekommen startete meine erste Trainingswoche wie im Bilderbuch und mein inneres Feuer brannte. Jedes Training habe ich mit voller Leidenschaft absolviert und mit Blick auf das Trainingsprogramm der folgenden Woche konnte ich es kaum erwarten. Schöne Strecken und herausfordernde Einheiten waren geplant.
Leider wurde ich zu Beginn der zweiten Woche krank. Zunächst dachten wir, es wäre eine leichte Erkältung und haben bereits bei zunehmender Müdigkeit das Training adaptiert. Mein Team und ich haben jeden Tag neu beurteilt, wie viel Belastung sinnvoll ist und das Training angepasst. Ich war bereits in vielen Trainingslagern und mehrfach in der Höhe. Nichts hätten wir anders machen können. Aber leider hatte mein Körper nicht genügend Kapazität, um sich schnell genug zu erholen und so war ich fast zwei Wochen krank bis zum Ende der Zeit im Engadin.
Meine Begeisterung, in dieser Umgebung zu trainieren, war und ist riesig und umso mehr schmerzte es, dies nicht zu dürfen. Wir haben es vorsichtig probiert, aber ich musste mehrfach abbrechen.
Hinzu kam, dass sich mit diesem Wettkampf Druck aufbaute. Ich wollte, aber konnte nicht. Und das ist Teil des Spitzensports.
Soll ich nicht starten? Kann ich meine erste Langdistanz machen, wenn ich in der wichtigsten Trainingsphase zwei Wochen krank war?
«Weltrekordhalterin sucht den Kick am Inferno» - solche Schlagzeilen ehren mich und entfachen mein inneres Feuer für den Sport noch mehr. Doch wenn man krank ist, geduldig sein sollte und dem Körper die Zeit geben muss, die er braucht, dann ist es stressig. Das ist meine Herausforderung und ich bin den Medienhäusern sehr dankbar für ihre tolle Berichterstattung.
Wie geht man nun damit um, wenn man motiviert ist, traurig nicht zu dürfen und gestresst zu müssen?
Im Spitzensport sind Mentoren und ein unterstützendes Team von unschätzbarem Wert und ich bin sehr dankbar, solche Menschen an meiner Seite zu haben.
Reicht es, rechtzeitig wieder gesund und genügend vorbereitet für dieses Abenteuer zu sein? Um es mit den Worten von Michael Jordan zu sagen:
«Obstacles don’t have to stop you. If you run into a wall, don’t turn around and give up. Figure out how to climb it, go through it, or work around it.»
Zunächst werde ich ganz gesund und dann finden wir einen Weg für MEINE bestmögliche Vorbereitung. Eine perfekte Vorbereitung gibt es selten und es ist wichtig, flexibel zu bleiben und die zarte Pflanze «Motivation» zu schützen.
Der Inferno wird ein langer Tag und es kann vieles passieren. Es ist meine erste Langdistanz. Dieses Rennen mache ich, um Erfahrung zu sammeln und ich gebe mir die Chance auf ein neues Abenteuer. Wer weiss, was der Tag bringt?
Ich wollte, aber konnte nicht. Kennst Du dieses Gefühl? Was hilft Dir in solchen Momenten? Schreibe Deine Gedanken unten in die Kommentare. Ich freue mich.
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