Das erste Mal an einer WM
***Athletin syy – die Baseldeutsche Version von «Athletin sein». Das ist meine erste Rubrik meines Blogs. In dieser Rubrik teile ich meine Erfahrungen als Spitzensportlerin mit euch, offen, ehrlich und hoffentlich spannend. Weitere Rubriken werden in den nächsten Monaten wachsen.***
Es ist Rennwoche – und nicht nur irgendeine, sondern «The Championship» steht vor der Tür. Die Mitteldistanz Weltmeisterschaft von Challenge family in Samorin, Slowakei. Für diesen Event habe ich die letzten Monate so viel investiert. In so vielen harten Trainingsmomenten habe ich visualisiert, wie ich in diesem Wettkampf bin und das gab mir Motivation. Und jetzt «plötzlich» ist die physische Arbeit gemacht und der Koffer wird tatsächlich gepackt.
Aber, wie bereite ich mich mental auf meine erste WM vor? Was darf ich erwarten?
Im Spitzensport ist das Mindset enorm wichtig. Denn alle Athletinnen werden fit sein und der Kopf macht einen Riesenunterschied. Meine beiden Coaches, Xavier Fleury und Ramon Krebs haben enorm Erfahrung. Mein Team ist klein, aber unglaublich stark und ich lerne von ihnen beiden sehr viel. Auch, wie ich meine erste WM angehen soll.
Was genau ist anders als an anderen Wettkämpfen? Das Feld wird grösser sein als in Taiwan und doch kleiner als in Sir Bani Yas. Wie sieht es mit dem Leistungsniveau aus? In Taiwan ist Weltrangliste Nr. 1 gestartet, sie kommt am Wochenende nicht. Aber dafür kommen andere sehr starke und schnelle Frauen. Gegen einige von ihnen bin ich schon in unterschiedlichen Ländern geraced.
Medial bekommt das Rennen mehr Aufmerksamkeit, das Preisgeld ist höher und mit einem guten Wettkampf steigen meine Chancen auf wertvolle Punkte meines World Rankings.
Doch das sind alles äussere Faktoren, welchen Einfluss haben diese auf den Triathlon? Die Leistungsdichte ist etwas grösser, aber letztlich ist es ein ganz normaler Triathlon. 1.9km schwimmen, 90km Rad und am Schluss noch ein Halbmarathon. Für mich ändert sich am Sonntagmorgen überhaupt nichts. Es spielt keine Rolle, dass die Frauen links und rechts von mir schon mehrfach an einer WM Startlinie standen oder sogar WM-Titel tragen. Ja, ich habe keine WM Erfahrung. Aber ich habe sehr viel Triathlon Erfahrung. Und am Schluss ist es einfach ein Triathlon!
Mit welchem Resultat werde ich am Sonntag zufrieden sein? Leistungssport ist keine utopische märchenhafte Vorstellung, dass man nur, weil es eine WM ist weit über seinem Potential performed. Aber das Label WM gibt mir Motivation, dass ich zeigen darf, wofür ich so hart gearbeitet habe. Ich spüre genau, wenn ich mich im Rennen an meiner oberen Leistungsgrenze bewege und dies kann super motivierend sein.
Am Sonntag möchte ich mit einem Lächeln an die Startlinie laufen, dankbar für Sven und meinen Vater, welche dabei sind und dankbar für mein Team, welches mir dabei geholfen hat. Ich bin auch stolz auf mich, dass ich es geschafft und verdient habe, dort zu stehen. Und dann, wenn der Startschuss fällt? Bleibe ich im Moment, lese die Situation, höre auf meinen Körper und pushe. Wenn ich mein bestes Schwimmen, mein bestes Radfahren und mein bestes Laufen zeige, dann werde ich zufrieden sein. Ganz egal welche Rangierung ich am Sonntag erhalte, sie wird meine Leistung abbilden. Wenn ich mit meiner bestmöglichen Leistung 26igste von 26 Athletinnen werde, dann bin ich happy. Wenn ich mit meiner bestmöglichen Leistung 15te von 26 Athletinnen werde, dann bin ich genauso happy. Das ist Leistungssport.
Und auch wenn irgendetwas schief geht, etwas das nicht in meinen Händen liegt. Die Welt wird sich weiterdrehen und mein Leben oder meine Sicherheit ist dadurch nicht im Geringsten gefährdet. Ich darf einfach Spass haben und Gas geben.